Gefühle mit Farben


Hey XV,

mit dir ist mein Leben wieder anders. Mit dir will ich wieder Sachen erleben und leben!

Mit dir ist alles, wie in einem Traum. Mit dir erlebe ich, dass die ganzen Sachen, aus Büchern, die man nie geglaubt hat, doch Wirklichkeit werden können. Ich dachte immer, wenn ich in Büchern gelesen, oder in Filmen gesehen habe, wie jemand irgendwo steht und dann jemand von hinten kommt und die Arme um einen legt, dass es dann keinen Sinn ergibt, die Augen zu schließen und tief durch zu atmen .

Das war kitschig und ist eh nicht real!

Ein Kuss auf die Stirn – wie bescheuert.

Bescheuert? Ganz und gar nicht. Für mich war das immer was besonderes und ich dachte immer, dass es wirklich was ganz großes ist!

Wenn man jemanden auf die Stirn küsst, dann meint man eine Sache wirklich ernst. Für mich war und ist das schon immer eine sehr ernste Sache.

Darum hab ich es mir immer aufgespart. Es fühlte sich noch nie danach an.

Und dann plötzlich – habe ich mich dabei erwischt, wie ich dir einen Kuss auf die Stirn gegeben habe. Irgendwann. Ganz am Anfang. Ich war … geschockt von mir selber? Weil- Ich habe nicht drüber nachgedacht. Erst hinterher. Und du hast es in meinen Augen gesehen, dass ich geschockt war.

Du konntest nicht einordnen, was das bedeutet, denn auch für dich hat dies eine ganz tiefe Bedeutung.

Es kam so früh und so unerwartet. Ich hätte dort eigentlich schon wissen müssen, dass es richtig ist.

Ich habe diese Seite hier ins Leben gerufen, um dir zu schreiben. Um dir über uns zu schreiben, doch ich sehe mich immer wieder um Worte ringen. Merke, dass diese einfach nicht genug sind, nicht genug sein werden. Doch ich versuche es weiter.

Ich kann dich nicht in Worte fassen, weil man dann neue erfinden, oder alte neu definieren müsste.

Ich weiß, das ließt sich bestimmt  komisch und manch einer mag denken: Der übertreibt-, aber es ist wie mit den Dingen die ich in Büchern gelesen habe und nicht glauben konnte: SIE EXISTIEREN!

Man muss nur die Richtige finden und dann hat alles einen Sinn!

Ist ja auch irgendwo klar – wenn man drüber schreibt, wie unfassbar viel man aus einer flüchtigen Berührung und einem daraus folgendem Augen schließen nehmen kann, dann muss ja irgendwer mal eine solche Erfahrung gemacht haben!

Nun gehöre ich dazu.

Ich muss jedes mal, wenn wir irgendwo zusammen alleine sind dem Drang widerstehen, nicht jedes Mal die Augen zu schließen und tief einzuatmen, wenn du an mir vorbei gehst und meinen Arm streifst.

Nicht durch Zufall! Aus voller Absicht! Doch so, dass Leute denken würden, es war keine! Denn darum geht es.

Wir sind die „kleinen“ Dinge.

Niemand braucht Feuerwerk und ein tolles Facebook-Posting, wie glücklich man doch ist.

Wir sind es einfach. Wir geben – und nehmen die kleinen Dinge wahr.

Ist es nicht das, worum es geht?

Wir haben Sachen, denen wir unendliche Bedeutung zusprechen und eben weil dies so ist, nutzen wir sie nicht ab. Wir werfen nicht inflationär mit Floskeln um uns, nur weil der Andere es hören will.

Wir haben alles neu definiert.

Definiert – für uns.

Wörter, Sätze, Dinge die andere minütlich machen/sagen – nutzen wir nur selten.

Nutzen wir passend.

Aber dann scheint es immer der richtige Moment zu sein. Wenn in unserer Disco die Glitter Maschine explodiert und glitzernde Stückchen vom Himmel regnen, dann ist es richtig. So fühlt es sich an, wenn einer dieser seltenen Momente passiert, in denen man bestimmte Dinge einfach sagen muss. Nur dann bleiben sie besonders.

Wir wissen beide, wie wir fühlen. Wir brauchen es nicht sagen.

Man könnte so Sachen festlegen wie “ Wenn es mal nicht mehr so ist, dann sag ich dir Bescheid, und bis dahin weißt du es!“

Doch auch das wäre nicht richtig.

Manche Dinge müssen gesagt werden.

Zur richtigen Zeit.

Am richtigen Ort.

Zur passenden Gelegenheit.

Und dann explodiert auch in meinem Bauch eine Konfetti-Kanone. Ich weiß, wie ernst das gemeint ist. Wie besonders dieser Moment ist und selbst wenn ich immer wusste, dass du mir durch alles was du sagst – durch alles was du tust und durch dein komplettes Verhalten eigentlich jede Minute so etwas sagst – ist das dann nochmal etwas ganz anderes.

 

Du gibst Dingen ihre Bedeutung wieder!

Weißt du noch, als es sich für mich so angefühlt hatte, als müsste ich dir sagen wie wunderschön du bist?

Ich fühlte, dass ich es sagen will. Ich fühlte, dass es dir gut tun wird.

Doch kannst du dir vorstellen, wie schwer es in diesem Moment war?

„Du bist wunderschön!“ – war ein Satz, den ich noch nie so schwer ausgesprochen habe. Es war eine Überwindung, obwohl man nicht verstehen kann warum.

Drei Wörter, die so einfach sind und doch so schwer. Was hat es mit dieser drei Wörter Sache auf sich und warum sind die immer so… schwierig zu sagen, wenn man sie ernst meint?

XV, glaub mir, du hast alle meine Wörter wieder auf Null gesetzt. Es gibt keine abgenutzten Floskeln mehr. Bei dir ist alles neu.

Früher habe ich immer wieder die selben Sachen auf ein und das selbe Blatt Papier geschrieben. Immer wieder drüber geschrieben. Die selben Linien einfach nur nach gezeichnet und wiederholt.

Es war automatisch und ich hab dabei nichts mehr gefühlt. Die Linien wurden immer dicker, weil man immer und immer wieder drüber gemalt hat. Man wusste nicht mehr, was man malt (sagt) weil durch die ganzen Linien, hat man vergessen, wie es sich angefühlt hat, als das Blatt noch unberührt war.

Dann kamst du und die nächsten Zeilen sind so unfassbar prägend. Sie bedeuteten mir schon immer so viel und du hast die nochmals weiter nach oben gehoben:

Let’s unwrite these Pages and replace them with our own words.

Du bist ein neues Blatt.

Jeder einzelne Strich auf diesem ist neu.

Es gibt kein Muster, das man nachzeichnen könnte.

Man muss sich bewusst sein, dass man auf einem weißen Blatt etwas schreibt.

Komplett leer.

Man zieht den ersten Strich auf einer neuen, sauberen, unberührten Oberfläche.

 

Man will es nicht versauen.

Für Leute die das nicht kennen, kann man es vielleicht mit einer „Geburtstagskarte“ beschreiben.

Die ist leer. Man will, dass es perfekt wird und darf sich keine Fehler leisten, sonst hat man es versaut.

 

Ich weiß, dass ich dir nicht erklären brauche, was ich meine.

Wir haben ein weißes Blatt vor uns liegen. Jeder Strich, jedes Wort darauf, wird das erste sein!

 

Und wenn meine Hand zittert, weil ich es nicht versauen möchte, nimmst du meine Hand und wir schreiben zusammen.

Wir können das Blatt nicht versauen, denn egal was wir schrieben – wie verwackelt die Linien sein werden, oder wie dünn das Geschriebene ist.

Es ist unser Blatt. Wir beschreiben es mit unseren Worten. Jedes davon das erste seiner Art.

Alles ist neu und hat soviel mehr Bedeutung, als es vielleicht jemals für mich hatte.

Kleine dünne Linien, auf einem riesigen Blatt Papier.

Niemand schreibt mit Bleistift.

Es ist ein ganz dünner, feiner Stift, der nicht mehr abgeht. Alles, was dort steht ist ehrlich.

 

Dünn, klein, schüchtern, aber ehrlich.

Wir brauchen keine dicken Linien.

Müssen nicht 1.000 mal drüber fahren über die Wörter, damit wie sie deutlich machen.

Es ist ein riesen Blatt Papier und auch wenn wir etwas nur ganz klein, oben in die Ecke schreiben würden. So, dass  andere es vielleicht nicht mal wahrnehmen würden. Dann ist es für uns doch groß genug. Es sind die kleinen Dinge, die groß sind.

Du bist da. Hast eine Tasche voller Stifte und wo ich damals nur mit schwarz das Blatt voll gekritzelt habe kommst du nun mit Farben daher. Du bist Bunt und malst meine Welt an.

Weißt du, wie oft in meinem Leben ich einen Sonnenuntergang gesehen habe?

Noch nie!! Du hast dir das Blatt genommen und einen drauf gemalt. Ganz dünn und frisch trocknet er grade. Klein in seiner Ecke. Groß in meiner Erinnerung und so, dass er nicht mehr verschwindet.

SunDown from XV XVI on Vimeo.

War er perfekt? Für Außenstehende sicher nicht, aber für uns war er das!

Du gibst meinem Leben Farbe. Du erinnerst mich an die kleinen Dinge.

Und das wichtigste von allem:

Du hattest ein neues, weißes Blatt Papier dabei, auf dem ich wieder schrieben und zeichnen üben kann. Jeder Strich ist neu und wenn er noch so krumm und schief ist, ist er unser Strich auf unserem Blatt und wird deswegen schon richtig sein.

 

*klopf*klopf*klopf*

 

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